Herzen Drei

Camera2-2015-05-22-21-08-33Once,

I was down in the deserts,

The black one,

who rests in the shade of Sutekh;

as my mother arrives,

The red lady,

my bloodthirsty mother;

Sekhmet.

My mother ripped of my limbs,

slashed my body,

teared up my brain;

and only my beating heart remains

on the ground.

and my mother put it into her own

sacred manifestation,

so that my birth as her son,

Sa-Sekhmet,

could become law.

Herzen Zwei

Camera2-2015-05-22-21-10-48Once,

A bunch of lousy wannabes,

A group of nasty pests,

A posse of encroaching beings,

afflicted by the stench of Isfet,

crossed the borders of Ma’at,

The hunting grounds of the lion pride,

my mother’s lands,

the territory of the black thing,

that rests in the shade of Sutekh.

So I hit them in anger,

Burned them and slashed them,

As the lions do in murderous frenzy;

And in my rage, I made strange prey,

The living heart of their leader,

beating in my hands.

I took it to my mother,

The lion goddess,

Sekhmet

Any my mother told me,

To eat that prey,

To take the power of it,

To take the power of him.

And I refused,

And annoyed my bloodthirsty mother.

Again.

Herzen Eins

PicsArt_1432323407116Once, I annoyed my mother.
There was a rotten foe, I fought.
He was Isfet.
I hit him each day. I burned him.
I smashed him on the ground,
And let him tear by the lions and panthers;

And cats in the shadows.

But I understood, that even this foolish being,
Has a mother.
So I annoyed my bloodthirsty mother,
And let him go.
For a while.

Wie real ist die Augmented Reality?

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In der Augmented Reality, der Erweiterten Realität, oder der extremeren Ausprägung, der Hyperrealität, werden eigentlich virtuelle, computergenerierte Grafiken und Objekte in die normale Wahrnehmung integriert. Dies geschieht, am häufigsten, über Smartphones. Ein aktuelles, populäres Beispiel ist das AR-Spiel „Pokémon Go“. Hier wird ein Spielsetting in die reale Welt übertragen indem Spielfiguren und Objekte an „realen“ Orten lokalisiert werden.

Nun ist „Pokémon Go“ eine vergleichsweise simple Spielidee, zeigt aber durchaus gut, wie AR aussehen kann, vor allem weil mit den Spielfiguren und Objekten interagiert werden kann und die Interaktionen sich auch auf andere Teilnehmer des Spieles oder auch nur passive Beobachter auswirken.

Zwei Dinge finde ich daran interessant. Zum einen die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten der Augmented Reality. Was wir von verschiedenen Smartphone-Apps und Spielen kennen kann oder wird sich schon bald in durchdachtere und komplexere Versionen weiterentwickeln, vor allem wenn praktischere Sichtgeräte als Smartphones benutzt werden. Wie die schon vor Jahren bekannt gewordene Google Glass. Ein extremes aber vielleicht realistisches Beispiel dafür, wie diese Hyperrealität aussehen kann, hat der Designer und Filmemacher Keiichi Matsuda in einem Video sehr anschaulich dargestellt:

 

http://km.cx/projects/hyper-reality/

 

An Buntheit kaum zu übertreffen bietet das Filmchen doch einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten. Etwas weniger bunt und überfüllt könnte ich mir so etwas sogar als ganz reizvoll vorstellen.

 

Zum anderen reizt mich natürlich die Diskussion über den Begriff der „Echtheit“. Gerade aktuell ist die Diskussion über Spieler von „Pokémon Go“ recht aktiv. Vor allem bei Leuten, die sich als spirituell, alternativ oder sogar der Magieszene angehörend bezeichnen, hört man vor allem Ablehnung und Aussagen wie man denn seine Zeit mit solchen irrealen Dingen vertrödeln könne und dass das alles doch gar nicht in Wirklichkeit existiere.

13652571_10202156216144608_1179075880_nBin ich der Einzige, dem sich da ein fies-herablassendes Grinsen ins Gesicht zaubert?Was ist denn Realität? Und was macht beispielsweise eine Trancereise „echter“ als den Blick in eine von Menschen programmierte Augmented Reality?Wo ist die Interaktion wahrnehmbarer und wo manifestiert sich die Wirkung nachvollziehbarer und für die Umwelt erkenntlicher?

13652842_10202156183463791_375149117_nIm Schamanismus wirke ich über eine andere Realität auf Menschen, Tiere, Dinge ein und kann (!) dort eine positive Wirkung erzeugen. Das ist natürlich durchaus sinnvoll.

Über die Augmented Reality kann ich dies zwar in der Form nicht, aber natürlich kann ich eine sich „manifestierende“ Interaktion mit Wesen oder Objekten führen, unter Umständen sogar eine ganz praktisch Nützliche. In dem Video oben von Keiichi Matsuda geht die Protagonistin z.B. in einem Supermarkt einkaufen. Über die AR erhält sie Informationseinblendungen über Produkte. Denken wir uns einfach den bunten- und den Werbeteil weg, so bliebe (eventuell) eine solide Dateninformation über das Produkt, das man vor sich hat. Davon mag man nun halten was man will und der generische Esoterik-Einkäufer shoppt eh nicht im Supermarkt (Zumindest behauptet er das), aber den theoretischen Nutzen kann man wohl nicht absprechen.

 

Der Vergleich mit zwischen Augmented Reality und verschiedenen Ebenen und Traditionen der Magie ist sicherlich kein perfekter, trotzdem sollte man sich gewisse Ähnlichkeiten vor Augen halten, bevor man allzu herablassend reagiert und sich dadurch zumindest auf den zweiten Blick zum Affen macht.

Götter und Geister sind rechts im Gehirn – Die bikamerale Psyche

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In der Esoterik- und Heidenszene wird „die Wissenschaft“ gerne als dogmatisch, gesteuert, phantasielos, kreativ und so weiter beschrieben. Für einige Wissenschaftler mag das sicher zutreffen, aber was in der öffentlichen Wahrnehmung oft untergeht, sind die vielen kreativen Ideen und Hypothesen, die eben auch vor allem von promovierten Wissenschaftlern kommen.

 

Ein Beispiel ist Julian Jaynes, ein Psychologieprofessor, der 1976 das Buch „Der Ursprung des Bewusstseins durch den Zusammenbruch  der Bikameralen  Psyche“ veröffentlichte. In diesem Werk stellt Jaynes eine Theorie über die Entwicklung des Bewusstseins auf, die auch heute noch als sehr gewagt gelten kann, damals dagegen wie eine verstörend bizarre Idee gegolten haben mag.

 

Eine der Kernaussagen von Jaynes´ Hypothese ist, dass der Mensch erst vor ca. 3000 Jahren ein Bewusstsein entwickelte, in Jaynes´ Definition von Bewusstsein als Selbstbewusstsein, als „autonomes Selbst“. Vorher hatte der Mensch das, was er eine bikamerale Psyche nennt. In dieser Theorie ist der Geist des Menschen zweigeteilt (zwei „Kammern“) in einen ausführenden, lernenden Teil (linke Kammer) und einen befehlenden Teil (rechte Kammer).

Der Mensch handelt, fühlt und denkt zwar wie heute, kann aber keine eigenen, wichtigen Entscheidungen treffen sondern erhält diese aus der rechten Kammer in Form von Visionen, Halluzinationen und Befehlen durch Götter, Geister, Ahnen. Der der linken Seite (und dem bewussten Zustand fehlende) eigentliche „Wille“ wird also durch Halluzinationen bestimmt, die in der rechten Kammer erzeugt werden.

Für den „bikameralen Menschen“ sind diese Halluzinationen völlig real.

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Für Jaynes entwickelt sich das moderne Bewusstsein erst mit zunehmender Komplexität der Gesellschaften, Bevölkerungswachstum, Völkerwanderungen und Kontrolle. Irgendwann wird das Leben so komplex und schwierig, dass der Wille der Götter und ihre Befehle nur noch unzureichend greifen und die Basis der bikameralen Psyche zerbricht: Das Bewusstsein entwickelt sich.

Jaynes sucht dafür (teilweise natürlich sehr fragwürdige) Zeugnisse in der Geschichte, in historischen Ereignissen, Katastrophen, aber auch in Beschreibungen wie in der Ilias von Homer, in der die übermächtige Rolle der Götter zunehmend durch besonders listenreiche Menschen wie Odysseus verdrängt wird.

 

Der bikamerale Zustand wird verglichen mit schizophrenen Erkrankungen, bei denen ja auch oft „Stimmen“ befehlen und Einfluss nehmen, oder aber auch mit der kindlichen Entwicklung, in der imaginäre Freunde und dergleichen nicht selten eine Rolle spielen. Auch die Beschäftigung und die Suche nach Trancetechniken sieht er als eine Folge der instinktiven Suche nach dem bikameralen (und „einfacheren“) Zustand.

 

Jaynes´ Werk ist eine THEORIE, die er auch selbst als „absonderlich“ bezeichnet hat, die ihn aber wohl Zeit seines Lebens beschäftigt, und leider auch isoliert hat.

Die Theorie umgeht natürlich Religiosität, Jaynes nach hat die Entwicklung des Bewusstseins die Götter verdrängt und ad absurdum geführt: „Da draußen ist nichts“.

 

Fahre ich jetzt ein magisches, ein spirituelles, ein religiöses Weltbild, was bedeutet Jaynes´ Theorie für mich? Ein interessantes Modell, nicht mehr und nicht weniger. Aber auch nicht das Schlechteste.

 

Sehr viel ausführlicher mit Jaynes und der bikameralen Psyche befassen sich die Links bei den Quellenangaben, die ich auch empfehlen möchte.

 

Quellen und nähere Informationen

https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/12/23/julian-jaynes-die-bikamerale-psyche-und-das-bewustsein/

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531921.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Jaynes

Der Krieger! Welcher Krieger?

DSC_0039Etwas, das mir seit Jahren immer wieder in der heidnischen und der scha-magischen Szene begegnet ist der Hinweis auf einen „Weg des Kriegers“ und eine Selbst-Identifikation mit einem Krieger (Manchmal auch einem Krieger „des Lichts“).

Ich kenne diese Kriegeridentifikation aus meiner eigenen Biographie als eher fragwürdiges Konzept in den Jahren nach der Pubertät und als junger Mann; überhaupt eher als ein die einprogrammierte Gewaltbereitschaft kanalisierendes und romantisierendes Ventil.

Der Zusammenhang mit Schamanismus, Magie und Heidentum hat sich mir nicht erschlossen, darum habe ich mal ein bisschen nachgeforscht.

 

Was ist denn ein Krieger?

 

Wikipedia macht keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Begriffen Soldat und Krieger: „„Krieger“ ist einerseits eine veraltete Bezeichnung für Soldaten und Söldner, andererseits eine Bezeichnung für Kämpfer in Stammesgesellschaften, die sich zu einzelnen Kriegszügen sammeln und meistens keinen Sold, sondern einen Beuteanteil erhalten“.

 

Ansonsten lässt sich, was die Definition des „westlichen“ klassischen Kriegers angeht, hier wenig finden was über eine militärische hinausgeht. Hier ist der Krieger ein Waffenträger mit einer mehr oder weniger individuellen Ausbildung, die sich meist über wenig mehr als den Umgang mit seinen persönlichen Waffen erstreckt. Oder ein fragwürdig trainierter, sich selbst ausrüstender Milizionär im Gegensatz zum durch (z.B.)staatliche Instanzen ausgebildeten Soldaten. Gut genug für die Verteidigung des eigenen Hofs, aber absolut ungeeignet für komplexe Taktiken und Widerstehen unter Druck.

Eine zunehmende Idealisierung des „Kriegers“ ist im Westen relativ neu und wird manchmal auch mit der Differenzierung einer Berufsarmee zur Wehrpflicht in Verbindung gebracht. Hier wird, in meinen Augen über-romantisierend, der moderne Krieger gekennzeichnet durch eine starke Wertegebundenheit und eine Distanz zu der Gesellschaft und deren Normen, aus der er eigentlich stammt. Die Werte und Ideale, die in diesem teilweise auch von bekannten Militärhistorikern wie John Keegan angeschnittenen Kriegerbild zum Tragen kommen sehen im (modernen) Krieger also das Mitglied einer Elite, die über den hiesigen Werten stehen.Aragon_infantry_XIV_century

 

In den östlichen Kulturkreisen ist die Lage nur bedingt anders, insbesondere die japanische Kriegerideologie des Bushido hat sich hier hervorgetan, in dem sie ein umfangreiches Wertekonzept (Den Bushido) nicht nur im (zunächst feudalen) Militär sondern später auch in einer ganzen Kultur verankert hat (Sprichwörtlich sind beispielsweise Bushido-Elemente in der japanischen Unternehmens-Kultur).

 

Und der Krieger im Schamanismus?

 

Hier spielt der Begriff im Wesentlich nur bei einem Autor eine Rolle und das ist Carlos Castaneda und sein „Weg des Kriegers“. Castanedas Buch „Die Lehren des Don Juan“ befasst sich mit einem Pfad des Kriegers, der nichts mit dem physischen Kämpfer (also dem ursprünglichen Krieger) zu tun hat sondern mit einer Lebenseinstellung und der Auseinandersetzung mit sich selbst und mit dem spirituellen und andersweltlichen Umfeld. Über die Authentizität von Castanedas Büchern und Berichten sowie die Konsistenz dieses Kriegerpfades ist schon viel geschrieben und gestritten worden, darum will ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen.

 

Und der Krieger in der Magie?

 

Hier gibt es keine verbindlichen Quellen und auch keinen ideellen, bekannteren „Kriegerweg“. In der Chaosmagie wird die „Kampfmagie“ häufiger thematisiert, wobei hier nicht nur mit esoterischen und “astralen” Mitteln gearbeitet wird, sondern Feinde auch mit psychischen und gesellschaftlichen Mitteln angegriffen werden, per Drohung, Denunziation, Mobbing. Keine schöne Sache, aber zumindest wird kein Idealbild eines „chaosmagischen Kriegers“ entworfen und letztlich ist es auch nur ein Aspekt in der Chaosmagie (Wenn ich auch den Eindruck habe, dass destruktive Magie hier öfter thematisiert wird und nicht so pseudo-verfemt ist wie in anderen Bereichen).

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Und der Krieger im Heidentum?

 

Hier kommt die Krieger-Idealisierung vor allem in den verschiedenen Asatrukreisen nicht selten vor. Auch hier wird in den meisten Fällen ein eigentlich moderner Krieger-Typus  als Vorbild gewählt, wobei die gebildeteren wenigstens von einem Ideal sprechen und sich nicht als solche bezeichnen. Hier findet man auch durchaus selbstkritische Beleuchtungen des Themas und beispielsweise die Ansicht, dass die nicht seltene Fixierung auf Odin als Kriegergott daher kommen mag, dass die Verfasser der Sagas vor allem selbst aus Krieger-Kreisen stammten. Ob dem so ist, weiß ich nicht. Korrekt scheint mir jedenfalls der Verweis auf sogenannte “Männerbünde”, die gern mit Kriegerbünden gleichgesetzt wurden. Mit dem Übergang vom Kindes- ins Jugendalter mag es eine Aufnahme in mehr oder weniger organisierte Männergemeinschaften gegeben haben, die außerhalb der Norm lebten. Männerbünde gab und gibt es in verschiedenen Kulturen, manchmal werden sie idealisiert, manchmal nicht. Im Fall mancher Asatru-Beleuchtung ist dies (natürlich) der Fall. So mag man in den Angehörigen dieser Männerbünde eine verschworene, in der Natur lebende, kämpferische und Ideale pflegende Gruppe sehen oder aber zunächst besitzlose junge Männer, die sich abseits der Siedlungen zusammenrotten und die ein Ventil für Aggression, fehlende Sexualität und Perspektivlosigkeit suchen. Vielleicht liegt die Wahrheit auch dazwischen.

 

Und ich?

 

Im schamagischen Sinne und in diesem Weltbild sowie in meinem dieses Weltbild umfassenden Ideal kann ich mit dem Kriegerbegriff nicht viel anfangen. Als Schamane oder Zauberer umfasst mein Spektrum weit mehr als das eines Kriegers. Ich kann Krieger sein, wenn es bei diesen Arbeiten erforderlich ist, indem ich meine in dem Bereich erworbenen destruktiven Fähigkeiten möglichst effektiv einsetze. Mit anderen Worten, ich kann unangenehmen Entitäten bitterböse in den Hintern treten und das mitunter sehr nachhaltig. Wenn das aber das Einzige wäre, was ich in dem Bereich kann, wären meine schamanischen Fähigkeiten äußerst begrenzt und unflexibel. Ich grenze mich auch nicht vom Wertesystem meiner „Gruppe“ ab, ist es doch auch meine „Gruppe“ die ich in meinem Spezialgebiet vertrete.

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In meinen Augen ist das moderne „Kriegerbild“, das im esoterisch geprägten, modernen Heidentum so gerne veranschaulicht wird nichts, das mit dem klassischen Krieger zu tun hat. Es ist ein Ideal, das ein verfälschendes Zerrbild des klassischen Kriegers darstellt. Die Verfälschungen sind mitunter grotesk und inhuman. Hier wird ein „Krieger“ als Leben behütendes, gutes und ehrenvolles Individuum dargestellt, während der klassische Krieger höchstens dadurch das Leben seiner Sippe behütet, in dem er Feinde (oder auch die nicht kämpfenden Angehörigen der feindlichen Gruppe) tötet. Nun finde ich ein Ideal ja nichts Schlechtes. Und wenn sich ein junger Heide als Ideal auswählt, die „seinen zu schützen“, ist das sicher gut, wenn er aber heutzutage dazu schreibt „mit all seiner Kraft und all seinen Waffen“, dann frag ich mich, ob ich lachen oder weinen soll. Und Männer/Kriegerbünde? Das bringe ICH eher mit marodierenden und außer Kontrolle geratenen Gewaltgruppen wie der IS in Verbindung, nicht mit ehrenhaften Schwurgemeinschaften.

Ich sehe jedenfalls keinerlei Bezugspunkte zwischen „Krieger“ und dem Mechatroniker/HartzIV-Empfänger/Germanistik-Studenten.

 

Was hat nun dieses Krieger-Zerrbild bzw. seine virale Verbreitung so gefördert? Zum einen natürlich der (böse pauschalisiert) männliche Hang zur Idealisierung von Kampfhandlungen sowie die (böse pauschalisiert) weibliche Idealisierung dieses männlichen Hangs. Aber auch die moderne Pop-Kultur tut ihr übliches (So verdankt beispielsweise das nordisch-germanische Heidentum sicher einen gewissen Teil ihrer aktuellen Zuläuferschaft der TV-Serie Vikings). Oder besser tat ihr übriges, denn die Idealisierung ist ja keine neue Erscheinung sondern zieht sich durch die gesamte modernere (und teilweise auch klassische) Geschichte.

 

Abschließend möchte ich eine Lanze für den gerade auch in diesen Kreisen verfemten Berufsstand des Soldaten brechen, und zwar ohne große Diskussionen über Sinn und Unsinn von Soldaten, Krieg, Wehrpflicht usw. anzustoßen. Ein Soldat ist kein bösartiger Söldner, der Leute ermordet und Frauen vergewaltigt während der „Krieger“ der gute Kämpfer ist, der die ominösen „Seinen“ verteidigt. Dass derartige Kriegsverbrechen in der Regel immer, und teilweise auch instrumentalisiert, vorkommen sei unbestritten. Zu glauben, dass es diese „Schmutzigkeit des Krieges“ bei klassischen Kriegern nicht gegeben habe, ist nicht nur naiv sondern mit Verlaub dumm und zeigt ein massives Bildungsdefizit vor allem in manchen Kreisen der Heidenszene.

 

Was bleibt vom Krieger: Ein (fragwürdiges?) Konzept, sich in einer Gesellschaft als besonders maskulin zu profilieren, die romantisierte Männlichkeit bestenfalls noch als Dekoration bei virtuellen Balzritualen benötigt?

Einige Quellen:

-Sun Tsu, die Kunst des Krieges

-Albert A. Stahel, Konflikte und Kriege. Simulationstechnik und Spieltheorie

-Steven Pinker, Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit

-Carl von Clausewitz, Vom Kriege

-John Keegan, Die Kultur des Krieges

-Kris Kershaw, Odin

-Alex Jahnke bei Holger Kliemannel (Hrsg.), Heidnisches Jahrbuch 2006

 

Die Esotörichte Dreifaltigkeit

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Wenn du dich in der Esoterikszene bewegst (es reicht, wenn du durch ein paar Foren zappst oder durch fb-Gruppen klickst), wirst du schneller als du glaubst auch mit Verschwörungstheorien konfrontiert. Abgesehen davon, dass du einen Großteil der modernen Esoterik eventuell ohnehin für Unsinn hältst, und die gängigen Verschwörungstheorien vielleicht auch, könnte dich an der Stelle irritieren, wo denn die Verbindung zwischen dem Einen und dem Anderen liegt. So geht es jedenfalls mir. Ich finde keinen konsistenten Gedankensprung von Heilsteinen zu der gefakten Mondlandung, und mir leuchtet auch nicht ein, warum ein „Schamane“ fast schon zwanghaft an eine von Dämonen kontrollierte Katholische Kirche glauben muss oder was Elfen mit analsondierenden Außerirdischen zu tun haben.

Vielleicht sind Beides Teile einer neuartigen Form von Angstreligion, in der das Böse eine größere Anzahl von Gesichtern hat (Regierungen, NSA, Katholische Kirche, Zionisten bzw. alle Juden, Reiche Menschen, Aliens, Banken) während das Gute meist auf die eigene, große Gruppe abzielt. Hier findet man dann verschiedene Ausprägungen der modernen Esoterik, Truther, YouTube usw. die gelegentlich auf findige Helfer (Die nette Version der Aliens, aufgestiegene Meister) zurückgreifen können. In dieser hypothetischen Religion sind also interessanterweise auf beiden „Seiten“ vor allem diesseitige Kräfte am Werk, nicht etwa, wie in den langweiligen Standardreligionen, das Göttliche, die Götter, andersweltliche Wesen o.ä. .

BÖSE Menschen, viele davon von Natur und Herkunft her böse, bedrohen die Menschen mit einem Sammelsurium an grausigen Ideen, die vor allem auf totale Kontrolle abzielen. Der Großteil der Menschen „schläft“ und kriegt das nicht mit, wird als Herde von „Schafen“ bezeichnet während ein zunehmend wachsender Kader an Aufgeklärten mittels, naja, mittels Aufklärung (Facebook, YouTube) gegen das Böse kämpft, und natürlich mittels esoterischer Methoden.

Auch hierbei wirst du keine Konsistenz finden. D.h. wenn du dich in das obige Paradigma hineinspekulierst, wirst du bald einen ganzen Fragenkatalog aufschlagen müssen: Warum hält es die Wissenschaftler am CERN davon ab, ein schwarzes Loch zu erschaffen, wenn du dich nicht impfen lässt? Warum löschen die alles kontrollierenden Banken und Geheimdienste nicht das YouTube-Video, das darüber informiert, dass Banken und Geheimdienste dich mittels eingepflanzter Chips steuern wollen? Und wie soll dich ein Amethyst vor grauhäutigen Außerirdischen retten, die sich für dein Rektum interessieren?

Aber eigentlich hat es so etwas schon immer gegeben. Verschwörungstheorien sind vermutlich so alt wie die ersten Zivilisationen, vermutlich noch älter.

Tradition hat es auch, Minderheiten mit Verschwörungen in Verbindung zu bringen. Der traurige „Klassiker“ hierbei ist der Antisemitismus. Der war schon im Mittelalter Teil jeder ordentlichen Verschwörungstheorie. Noch bevor die Hexe und der gnostische Sektierer mit totem Vieh, schlechtem Wetter und Hämorrhoiden in Verbindung gebracht wurden, wars schon mal der Jude. Im Zweifelsfall ist bei einer ordentlichen Verschwörungstheorie immer der Jude schuld oder zumindest teilschuld. Eine wichtige Erklärung bei diesen Überlegungen auch heute noch ist natürlich: Der Jude hat das Geld. Und natürlich hat er es von dir und deinen Gleichgesinnten und benutzt es dazu, noch mehr Geld zu scheffeln und sich grausame Kontrollmechanismen auszudenken.

Spätestens hier kommt dann auch der dritte Teil der Esotörichten Dreifaltigkeit ins Spiel, eben mindestens der Antisemitismus, in der extremen Version auch rechtsradikales Gedankengut. Hier finden sich rechtsorientierte Populisten, Holocaust-Leugner und ähnliches in der Szene ein und verschärfen den Hang in diese Richtung nur noch weiter.

 

Psychologen haben sich mit natürlich auch mit diesen Themen befasst. Es gibt verschiedene Meinungen und Theorien darüber, warum diese Vermengung aus Verschwörungstheorie, einfacher Esoterik und Brauner Ideologie so verbreitet ist.

 

Besonders interessant finde ich das Konzept der sog. Selbstwirksamkeitserwartung (SWE). Wikipedia beschreibt die SWE z.B. als „die eigene Erwartung, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können“. Mit einer hohen SWE glaubst du, dass deine Aktivitäten und Handlungen etwas bewirken und Einfluss auf dein Umfeld nehmen können. Mit einer niedrigen SWE fühlst du dich oft machtlos und ausgeliefert. Was wiederum den idealen Nährboden für Verschwörungstheorien bildet, da nach Untersuchungen Menschen die glauben, keine Kontrolle über die Situation zu haben, in der sie sich befinden, anfälliger dafür sind.

Mit Kontrollverlust kommt der Mensch in der Regel aber sehr schlecht zurecht, also kanalisiert man die eigenen Ängste auf einfach zu erfassende Faktoren wie DIE DA OBEN und gibt dem Konstrukt durch ein bisschen supersimple Fantasy (Wie Dan Brown-Szenarien oder äußerst einfache Science Fiction und Präastronautik) eine meist ins Bräunliche tendierende Farbe (Hier spielen dann angelernte Angst-Mythen wie eben die vom bösen Juden sowie Alltagsängste wie vor dem bösen Flüchtling, der die Arbeit wegnimmt eine große Rolle).

Viele schuldige Elemente dieser Konstruktion sind auch erschreckend viral was umso mehr wundert, dass sie eigentlich auch innerhalb des Szenarios belanglos wirken. So fragt man sich beispielsweise, wie sich denn eine fingierte Mondlandung heute auf irgendwelche Bevölkerungskontrollszenarien auswirken soll.

 

Was den Leser jetzt vielleicht am Rande beschäftigen könnte, ist die Frage, in wie weit ich da reinpasse. Ich bewege mich ja durchaus auch innerhalb eines Teils der Esoterikszene (Wenn man die Magie- und Schamanismusszene nicht davon trennen will).

Ich habe aber eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung. Ich glaube, dass meine Aktivitäten, rein weltlich, eine ganze Menge bewirken können und dass ich als Individuum eine, geschickt angewandt, sehr große Bandbreite an Möglichkeiten habe. Im schamagischen Bereich trifft das auch zu. Ich mache dieses schräge Zeug, weil ich glaube und weiß dass es funktioniert.

 

Na okay, dass es funktionieren KANN ;)

Keine lieben Kätzchen – Kemetische Katzengottheiten

Dass die Vorgänger unserer Hauskatze im alten Ägypten zeitweise ein hohes Ansehen genossen, ist allgemein bekannt. Vor allem die katzengestaltige Göttin Bastet ist Vielen ein Begriff. Auch der Sonnengott Re selbst wird oft als “der große Kater” bezeichnet.

Camera2-2014-11-09-13-34-28Es gab aber noch viele weitere, teilweise bedeutende Katzen- und Raubkatzengottheiten, die freilich, wie in Ägypten üblich, oft in Synkretismen miteinander verbunden waren, teilweise auch zeitweise zusammengeführt oder assimiliert wurden. Auf diese teilweise recht komplizierten Synkretismen wollen wir hier aber nicht näher eingehen sondern wenden uns den Gottheiten im Einzelnen zu, soweit sie bekannt sind. Ich möchte nicht nur die Bekanntesten dieser Gottheiten auflisten sondern auch meine Eindrücke sowie die von verschiedenen „Reisenden“ wiedergeben, die sich mit ihnen beschäftigt haben.

Beginnen wir mit der Bekanntesten, Bastet, die in der Frühzeit noch als Löwin dargestellt wird, dann jedoch als sitzende Katze oder Menschenfrau mit Katzenkopf.

 

„…Worte zu sprechen von Bastet, der Großen, der Herrin von Bubastis, dem Auge des Re, die in Behedet weilt, die auf dem Thron sitzt, die die Feinde tötet, die die von den Göttern geschützt wird…“

Bastet hat eine enge Verbindung zu Sachmet, als deren sanfte Seite sie manchmal bezeichnet wird. Trotzdem ist auch die Bastet ein „Sonnenauge des Re“, das ihren Vater, den Sonnengott beschützt. Es überwiegen aber eindeutig ihre schützenden Seiten, vor allem dem Schutz der Schwangeren und Kinder scheint sie zugetan. Bast gilt aber auch als eine Göttin der Freude, der Feste, der Musik und des Tanzes und möglicherweise der Trunkenheit, jedenfalls spielte selbige in einem bekannten Fest zu Ehren Bastets, dem Bubasteia, eine nicht unwesentliche Rolle.

>>>[Sie wirkt wie eine abgeklärte alte Kätzin auf mich. Sie ist schwarz, sehr groß und hat grüne Augen. Auf der Brust hat sie einen weißen ovalen Fleck. Ich muss an einen Skarabäus denken, es ist aber keiner. Ich begegne ihr auf einem felsigen Hochplateau wo ein offener Tempel steht mit vielen Säulengängen. Sie leckt mir mit ihrer rauen Katzenzunge übers Gesicht zur Begrüßung und führt mich dann in den Tempel. Überall springen Katzen rum, junge, ältere, sie gibt mir zu verstehen, dass das alles ihre Kinder sind. Die Katzen sind aber nicht einfach nur Katzen, manche von ihnen fühlen sich menschlich an, obwohl sie Katzengestalt haben. Als würden sich hier die katzenartigen Seelen von verschiedenen Menschen aufhalten. Sie legt sich auf den Steinboden in einen Sonnenstrahl und ich lege mich zu ihr. Sie ist ungefähr so groß wie ich, also weit größer als eine normale Katze. Ich darf mein Gesicht in ihrem weichen Bauchfell begraben. Ihre großen hellgrünen Augen schauen sehr aufmerksam umher, sie scheint trotz ihrer vordergründigen Passivität alles unter Kontrolle zu haben. Sie schützt ihre Familie. Dann sitzt sie mir plötzlich gegenüber. Sie leckt wieder mein Gesicht und umschmeichelt mit ihrem großen Kopf meinen. Ihre Schnurrbarthaare kitzeln und ihre sanften Bewegungen wirken plötzlich sehr erotisierend auf mich. Ich komme fast in eine Art Rauschzustand und merke wie ich immer stärker von ihr angezogen werde und Schwierigkeiten habe zurückzukehren. Schließlich löst sie sanft die Verbindung und lässt mich gehen.]<<< -Sati

>>>[Meine erste Begegnung mit Bastet war nicht informativ aber einprägsam. Es war weniger eine visuelle Erfahrung als eine emotionale: Eine Umarmung und eine Berührung die mich, mit Verlaub, tief erschütterte in ihrer beruhigenden, beschützenden und ein bisschen augenzwinkernden Liebenswürdigkeit.]<<< -Chao

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Weniger bekannt sind die alte Panthergottheit Abi, zunächst ein Himmelspanther als Totengöttin in der Duat, später zunehmend eine Schutzgöttin.

 

 

 

 

„…Abis Krallen ruhen auf der Brust des Verstorbenen, um ihn im Jenseits vor bösen Mächten zu schützen…“

>>>[Bei einer Reise nahm ich sie wechselnd als schwarze Katze, junge Schönheit und als ältere, dunkelhäutige Frau wahr. Ihr Wesen war sehr vereinnahmend, und als ich kurz abgelenkt war hieb sie mir sofort mit den Krallen über die Wange, bis ich wieder da war. Ich nahm sie als sehr kriegerisch wahr, als Göttin die über verbrannte Erde wandelt und Verwundete mit Wasser labt. Also auch einen trostspendenden Aspekt.]<<< -Monja

>>>[Himmelspanther und Totengöttin ist ja auch durchaus ambivalent. Die verbrannte Erde hört sich stark nach der Duat an.]<<< -Chao

>>>[Ich habe irgendwie auch Menschenopfer dort gesehen, wobei ich eher glaube, dass sie selbst es war, die geopfert wurde, oder sich opferte.]<<< -Monja

Camera2-2015-05-22-21-07-16Auch Kenmet ist ein Totengott, ein Leopardengott der in einem dauerhaften Kampf mit dem (göttlichen) Pavian steht, den er von anderen Göttern festhält.

 

„…Kenmet ist der Leopard, der in der Balsamierungshalle die Götter vor dem Pavian schützt…“

 

 

>>>[Kenmet wirkt auf mich sehr ambivalent, der Kampfaspekt hat etwas Rituelles und Zyklisches; eine rituelle Notwendigkeit scheint in seinem dauerhaften Kampf zu liegen.]<<< -Chao

mafdetMafdet wiederum ist populärer. Auch sie ist eine Pantherkatze und eine Beschützerin, aber mit hervorgehoben grausamen Zügen.

„…die Herrin des Lebenshauses, die Vernichterin feindlicher Schlangen und Beschützerin…“

Sie frisst die Köpfe der hingerichteten Verbrecher, sie ist „Mafdet mit dem Messer in der Hand“ und sie reißt Apophis das Herz heraus. Durch die Vielzahl ihrer Schutzfunktionen war Mafdet eine der idealen Beschützerinnen des Horus oder des Königs, eine seltener erwähnte Throngöttin.

>>>[Ich habe Mafdet als große Raubkatze gesehen, zunächst wie ein Gepard, dann eher wie ein Leopard. Sie hat mich zurechtgewiesen, nicht die Trommel sondern die Schellen zu benutzen, um sie zu rufen und mir gesagt, dass sie „die ist, die dem Leben nimmt, und dem Tod gibt“. Als ich nahe bei ihr war, hat sie sich in eine Frauengestalt mit nacktem Oberkörper und einem gefleckten Tierfell als Gürtel verwandelt. Als sie die krallenbewehrte Hand hob, entströmten ihr eine Unmenge schwarzer Fliegen, die den Raum füllten. Dann nahm sie mich mit, wie eine dunkler und dunkler werdende Höhle hinab.]<<< -Iffi

>>>[Dann hat sie dich vermutlich mit in die Duat genommen]<<< -Chao

>>>[Es war so dunkel, dass ich nur noch ihre Augen glühen sah. Ich musste etwas für sie tun, einen Toten ein Stück tragen in einer sehr merkwürdigen Umgebung, wie dunkles Leuchten, die Mitte einer Flamme. Anscheinend war es wichtig, dass er nicht mehr blutet. Dann sollte ich ihn liegenlassen, er könne nun alleine weiter.]<<< -Iffi

>>>[Klingt wie ein symbolischer Psychopompos mit Mafdet, die Hilfe für einen Verstorbenen in der Duat.]<<< -Chao

mafed

Leicht mit Mafdet zu verwechseln ist die männliche Gottheit Mafed. Auch er ist ein Totengott, der in der Duat Wege für die Verstorbenen erschließt. Er gilt als „der Kater“.

„…der Kater, der in der Duat die Wege für die Verstorbenen erschließt…“

>>>[Ich habe ihn tief unten in der Dunkelheit gefunden. Ein Drache umkreiste ihn und mich. Mafed ließ mich zusehen, wie er andere auseinander nahm und neu zusammensetzte. Er zerfleischte und zerstückelte in einer blutigen Kompromisslosigkeit. In seiner Gegenwart heißt es, auf der Hut zu sein.]<<< -Tante Anita

Mahes ist eine männliche, vor allem im Delta verehrte, Löwengottheit, der „wildblickende Löwe“.

“…Worte zu sprechen von Mahes, dem Sohn der Bastet im Gefilde von Netjerit, dem Löwen mit großer Kraft, der die Feinde fällt und vom großen Thron fern hält. Der Blitzende und Donnernde, der Herr des Dunkels und der Winde…“

Maahes

Maahes Bronze Statue, Ptolemäische Periode, (664 – 30 v. Chr.)

 

Er wird als Mensch mit Löwenkopf dargestellt, oft mit Messern in den Pranken, was seinen kriegerischen Charakter noch verstärkt. Als Löwe wird er gerne dargestellt, wie er einen Gefangenen von hinten anfällt und verschlingt, als „Herr des Gemetzels“ der sich über Blut freut. Er galt als Sohn der Bastet.

>>>[Mir hat er sich als großer, schwarzer Panther gezeigt. Er wanderte durch die Dünen und knurrte und brüllte die Sonne an. Außer ihm waren nur Dünen, Sonne, Himmel. Und als er mich ansah, traten glühende Bäche unter seinen Tatzen hervor, die dann zu richtigen Lavaflüssen wurden, bis schließlich nichts außer ihm und Lavaseen war]<<< -Anufa

 

 

Ähnlich unangenehm konnte Mehit werden.

„…Worte zu sprechen von Mehit, dem Auge des Re, der Gebieterin von Tjar, der Starken in der Stätte des Erstechens…“

Als alte, prädynastische Gottheit wird sie als ruhende Löwin mit drei-vier Stangen auf dem Rücken dargestellt. Erst später erscheint sie als löwenköpfige Menschenfrau. Mehit war Anhor und Onuris als Gattin zugetan; beiden steht sie als Kämpferin zur Seite, so wie sie auch mit der Uräusschlange als Beschützerin des Re verglichen wird. Interessant ist der Mythos, in dem Onuris die Mehit aus Nubien sozusagen importiert, indem er sie dort jagt, befriedet und „heim“ führt. Er wird dort auch als „Der die Ferne zurückbringt“ beschrieben.

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Sehr ähnlich und daher nicht nur durch den Namen leicht zu verwechseln ist Menhit.

Bei ihr scheint der Vergleich mit der Uräusschlange noch prägender zu sein, auch wird sie gelegentlich nur als Frau mit Uräusschlange auf dem Haupt dargestellt. Menhit bedeutet „Die Schlächterin“, dem Kampf zugetanen Königen wie Sethos I. scheint sie wichtig gewesen zu sein.

 

 

>>>[Ich habe über Menhit einen Falken mit einem Stab gesehen. Obwohl sie total unbeweglich wirkte, sagte sie mir, dass sie „Bewegung“ sei, und Wasser und Luft. Zuerst war sie Löwin mit scharfen Gesichtszügen, dann Frau mit getrennten Gesichtszügen, dunkel und hell. Sie nannte sich auch Bewegung des Kreises und stieß mir ihre Krallen in die Brust. Mein Blut wurde von einer Dienerin mit Schale aufgefangen. Das Leben floss aus mir heraus, bis eine Schlange die Wunde mit einem Biss verschloss.]<<< -Iffi

Pachet ist „die Kratzende“ oder „die Zerreißende“.

„…die mit spitzen Krallen, die große Flamme, die die Beute in der Dunkelheit ergreift. Die inmitten des heiligen Ortes ist…“

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Einige Darstellungen zeigen sie auch als Pavian, ebenfalls ein Tier, das als sehr aggressiv und kämpferisch galt und auch nicht selten in einem ambivalenten Verhältnis zum Panther/Leoparden stand.

Die Aggressivität dieser Göttin kommt auch in anderen ihrer zahllosen Beinamen zum Ausdruck, sie ist diejenige, die dem Feind Entsetzen einflößt; „die Göttin mit den scharfen Augen und spitzen Krallen, die des Nachts Nahrung beschafft“, aber auch die „Göttin am Eingang des Wadi“ und „Herrin der Wüste, die inmitten der östlichen Wüste haust“.

 

 

>>>[Ich bin über verwinkelte Pfade in einen dunklen Tempel und zu Pachet gekommen. Sie lag als schwarze Katze mit einem roten Halsband auf einem goldenen Thron und erst als sie es erlaubte, konnten mein Verbündeter und ich uns ihr nähern. Mir hat sie nach anfänglicher Skepsis gesagt, dass sie eine Wächterin der Sterbenden und der Toten sei, dass sie den Toten mitgegeben werde, dass sie darauf achtet dass eine Wohnstatt der Toten auch eine Wohnstatt der Toten bleibe und dass dieser Tempel das Abbild einer Wohnstatt der Toten sei. Pachet verwandelte sich auch in eine Frau, die viel roten Schmuck trug und zeigte mir noch Einzelheiten in diesem Tempel. Als Gegenleistung für die von ihr erhaltenen Informationen gab sie mir eine Aufgabe.]<<< -Lyone

Repit ist eine löwenköpfige Göttin, die erst in späterer Zeit autonom erwähnt wird, vormals wird sie mit Hathor und Isis in Verbindung gebracht, verschmilzt in der Bedeutung und Anbetung aber auch oft mit Sachmet und Aperetiset. Repit ist auch ein Ehrentitel, er bedeutet „Vornehme Frau“.

>>>[Mir erschien eine schlanke, schwarze Katze, die aus Dunkelheit besteht. Und eine Höhle mit einem „katzenartigen“ Eingang, die als Refugium für erschöpfte, zerrissene und fragile Schattenwesen dient, ein warmer, trockener und behaglicher Rückzugsort. Repit erschien ohne Pomp, schwarz, dünn und seidenzart. Fürsorglich beschützt und versorgt sie die Schatten in dieser Höhle, die mehr eine Passage als ein Saal ist. Weiter ließ sie mich jedoch nicht gehen.]<<< -Syba Sukkub

>>>[Ich habe Repit am Nil getroffen. Eine Katze hat mich abgeholt. Die Göttin blieb zunächst im Hintergrund und wurde erst zugänglicher, nachdem ich ihr als Opfer etwas geräuchert hatte. Ihre Form war nicht stabil, aber meist überdurchschnittlich groß, erst nach und nach wurde sie zur Löwin. Auf meine Fragen hin wechselte sie mit mir zu einer Oase, wo sie mir Bäume zeigte, die und deren Früchte anscheinend für Repit wichtig sind. Zeitweise verwandelte sie sich in ein Krokodil, offenbar um mir zu zeigen, dass diese wichtig für sie sind. In der Oase hat sie mir auch ein Pärchen beim Sex gezeigt. Auch das schien wichtig zu sein. Es hatte etwas mit Befruchtung und Beseelung zu tun, der Akt war ansonsten eher emotionslos. ]<<< -James Vermont

>>>[Der Schatten, Schut, ist nach kemetischer Ansicht ein Teil der Seelematrix. Wie andere Seelenaspekte („Teile“) geht idealerweise auch der Schut ins Totenreich um sich mit dem Ba zu vereinen. Vielleicht war es ja das. Die Fürsorglichkeit dieser Göttinnen für die Toten ist jedenfalls typisch.]<<< -Chao

Ruti ist ebenfalls ein löwenköpfiger Gott, der oft als zwei Löwen abgebildet wird, als Doppellöwe.

„…auf dessen Rücken die Sonne aufgeht…“

PicsArt_1432323111504Ruti ist insbesondere eine im Totenreich wichtige Gottheit. Er gehört zu den beisitzenden Richtern im Totengericht, hat aber auch mit den Ba-Seelen der Verstorbenen und ihrer Ernährung zu tun.

 

 

 

 

 

>>>[Ruti ist mir als alter, behäbiger Löwe in der Wüste begegnet. Er saß neben einem Tor, in das ich nicht eintreten durfte. Was mir auffiel, war sein stechender durchdringender Blick, seine Augen sind ungewöhnlich blau. Er starrte mich nur an. Eine ganze Weile. Dann näherte er sich mir, stellte sich auf die Hinterpfoten und legte seine Vorderpfoten auf meine Schultern. Er war sehr schwer, aber ich empfand keine Bedrohung. Wieder starrte er mich an und blickt mir in die Augen, als wollte er in mich hineinsehen. Jetzt spürte ich Wohlwollen und er machte den Weg frei, dass ich in die Höhle eintreten konnte. Sie scheint in die Duat zu führen. Ich entschied mich aber trotzdem jetzt zurückzukehren.]<<< -Sati

>>>[Ich sah einen prächtigen Löwen aber verwirrenderweise immer wieder auch einen Leoparden. Einen Tempel mit sehr dominanten Säulen. Ich fühlte mich in dieser Atmosphäre nicht wohl, es war stickig und beklemmend und ich wollte am liebsten wieder weg.]<<< -Mandy

Eine sehr bekannte und dominante Löwengöttin ist Sachmet. Ihr Name bedeutet „die Mächtige“, sie ist die Herrin des Zitterns, eine Göttin des Krieges die Macht über Krankheiten und Seuchen hat.

„…deren Pfeil nicht verfehlt. Sachmet, die Macht hat über eine Millionen Gegner…“

PicsArt_1432323407116Wie einige andere vergleichbare Löwinnen gilt auch sie als eine Beschützerin des Königs und Vernichterin seiner Feinde.
Im Kult bedeutsam scheint aber vor allem auch der Heilaspekt gewesen zu sein. Heiler und Ärzte sind des Öfteren auch als Sachmet-Priester belegt. Überhaupt scheint die Popularität der Sachmet zeitweise auch damit zu tun haben, dass man sie sicherheitshalber besänftigte um Seuchen fernzuhalten.

Im Mythos zeigt sich ihre erbarmungslose Kampfeswut auch in der Geschichte, in der sie als Sonnenauge des Re die verräterische Menschheit bestrafen soll. Dabei vernichtet die Löwengöttin wie rasend alle Lebewesen und kann nur durch einen Trick der anderen Götter besänftigt werden, nämlich indem sie Bier rot färben, so dass es aussieht wie Blut, woraufhin sie sozusagen durch Trunkenheit besänftigt wird.

 

 

 

>>>[Meine erste Begegnung mit Sachmet hatte ich im der Ägyptischen Sammlung in München. Damals war die Ausstellung noch in der Residenz es war alles furchtbar eng und sie stand etwas unwürdig an der Wand in einem Durchgang. Ich ging an ihr vorbei und wollte in den anderen Raum, als ich plötzlich magisch von ihr angezogen wurde und stehen blieb. Ich sah sie an und hatte das dringende Bedürfnis zu anzufassen. Das war natürlich nicht erlaubt und ich hatte Sorge ich würde den Alarm auslösen, aber ich konnte nicht anders und berührte sie an der Schulter. Es fühlte sich an, als würde ich an einen Elektrozaun fassen, mich durchführ ein Zittern im ganzen Körper. Der Alarm ging zum Glück nicht los.]<<< -Sati

Schesemu ist ein oft als löwenköpfig (manchmal auch widderköpfig) dargestellter Gott, der Herr der Parfüm, -Salben, -Myrrhe, -Wein -und Salbenherstellung. Auch als ein Gott der Balsamierung wird er genannt.

„…er ist Schesemu, der sie für Unas zerstückelt und ein Mahl kocht für ihn aus Ihnen…“

PicsArt_1432323528111Wenn man weiß, wie wichtig diese Bereiche für die ägyptische Kultpraxis waren, erkennt man in Schesemu einen durchaus wichtigen Gott. Eine starke Ambivalenz zu diesen Bereichen ist die Schilderung Schesemus als (wohlgesinnter) Unterweltsdämon und Folterknecht des Osiris. Wie meist bei ägyptischen „Dämonen“ (die auf ägyptisch genauso „netjer“ genannt wurden wie die Götter) hat auch hier der Begriff keinen Bezug zu einer bösartigen Gesinnung, Dämonen sind sehr oft einfach nur niedere Gottheiten oder Wesenheiten, die vor allem in der Duat präsent sind.
Eine interessante Überlieferung, auch im schamanistischen Sinne, schildert Schesemu als einen Dämon, der andere Götter schlachtet und in einem Kessel kocht. Was damit vermutlich verdeutlicht wird, ist der Akt in dem Schesemu die magischen und göttlichen Fähigkeiten der Götter (für den König) destilliert und kocht.

>>>[Ich habe ihn als Löwen in einem Buschland oder einer Savanne getroffen. Anschließend war ich in einem Gangsystem, überall mit Keilschrift an den Wänden. Am Ende dann in einem fensterlosen Raum, auch dieser über und über mit Schriftzeichen bedeckt. In dem Rahm war dann Schesemu und fragte mich was ich wolle, woraufhin ich mich lieber verdrückt habe.]<<< -Mandy

>>>[Ja, so eine Begegnung kann durchaus eindrucksvoll sein.]<<< -Chao

>>>[An einige der Schriftzeichen kann ich mich noch erinnern, Anubis in priesterlicher Gebetshaltung, ein Boot und eine liegende Mondsichel.]<<< -Mandy

Eine uralte Göttin ist Tefnut, dargestellt als menschengestaltig mit Löwenkopf.

„…Wenn Re den Himmel jeden Morgen durchfährt, dann ruht Tefnut auf seinem Haupt und sendet ihren Feuerhauch gegen seine Feinde…“

PicsArt_1432323577234Im Schöpfungsmythos ist sie eine der ältesten Entitäten und steht auch für die Wahrheit. Sie geht zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Schu aus dem Schöpfergott Atum hervor und stellt damit eine sehr archaische Kraft dar, vielleicht eine Art Urfrau, die auch immer wieder mit anderen katzen- oder löwengestaltigen Göttinnen verschmilzt.

Bekannt ist beispielsweise die Verschmelzung mit Sachmet und Bastet, durch die Inschrift „Als Sachmet ist sie zornig, als Bastet fröhlich.”
Obwohl sie löwenköpfig dargestellt wird, wird sie eher als nubische Katze beschrieben, erst im Zorn wird sie zur „wilden Löwin“. Sie stellt auch die Uräusschlange dar und selbstverständlich ist sie ein Sonnenauge des Re.

 

 

 

 

>>>[Tefnut hat mich an eine alte, einsame Berglöwin erinnert, kein Rudeltier jedenfalls. Dann wie eine Frau mit entblößten Brüsten und Löwenkopf. Ich nahm sie schwebend über einer weiten ruhigen Wasseroberfläche war. Um sie herum der aufsteigende Dunst des Wassers im Morgenlicht der Sonne vor strahlend blauem Himmel. Ihr Unterkörper war nicht zu sehen, er war wie gläsern und schien sich in dem Dunst aufzulösen. Sie schien den ganzen Luftraum auszufüllen. Sie wendete sich mit geschlossenen Augen der Sonnenscheibe zu und kehrte mir den Rücken, als wollte sie ihr Gesicht von der Sonne anstrahlen lassen. Dann sah ich sie allein hoch oben auf einem Felsvorsprung sitzen und die untergehende Sonne betrachten.]<<< -Sati

>>>[Ja, das deckt sich stark mit meinem Bild. Eine für mich eher ferne Göttin, die einen Schatten auf die anderen Löwinnen wirft und diese dadurch auch einen Teil von Tefnut in sich integrieren. Im positiven Sinne.]<<< -Chao

>>>[Ich bin zu einer Oase gekommen, einem Haus dort und einem Hausaltar und einem dazu gehörigen Krug. Mir kam eine Abessinerkatze in den Sinn und der Eindruck einer volksnahen Göttin, die in fast jedem Haus verehrt wird, assoziiert mit dem Schutz von Frauen, vor allem bei der Geburt, aber auch mit Tanz.]<<< -Bruji

>>>[Das trifft ziemlich genau den Bastet-Aspekt von Tefnut!]<<< -Chao

Auch Wosret ist eher Katze als Löwin, sie wird als bewaffnete Katze mit Messern oder auch als löwenköpfige Schlange dargestellt. Wosret ist eine weitere Schutzgöttin. Selbstverständlich beschützt sie den König, gilt aber auch als Schutzpatronin der Jugend. Ihr Name bedeutet „Die Starke“ und wird daher auch gern als Beiname für verschiedene andere Göttinnen in späterer Zeit verwendet.

Seelenaspekte und Seelenteile

Der Begriff Seele muss immer in unterschiedlichen Kontexten betrachtet werden. Im modernen Sprachgebraucht steht Seele meistens für die geistigen und persönlichen Vorgänge im Menschen, also für das, was gemeinhin auch als „Psyche“ oder das Bewusstsein beschrieben wird.

 

In spirituellen Konzepten gibt es auch mehr oder weniger große Unterschiede, beispielsweise was die Frage angeht, ob die Seele ein kompaktes Element, sozusagen ein Einzelstück, darstellt oder ob sie aus verschiedenen Fragmenten besteht oder gar ob ein Mensch mehrere Seelen hat. Überhaupt ist beispielsweise die Auffassung einer unitären Einzelseele außerhalb Europas eher selten, ein Gedanke der wiederum den meisten Europäern fremd ist.

 

Da es sich um ein äußerst vielschichtiges und komplexes Thema handelt, behandeln wir hier nur den Aspekt der schamanistischen Auffassung. Dem muss vorangeschoben werden, dass sich selbstverständlich auch hier die Auffassungen und Meinungen unterscheiden, da Schamanismus immer kulturspezifisch und natürlich im modernen Mitteleuropa auch individuell ist.

 

Sehr verbreitet ist die Auffassung der Seele als fragmentiert. Meistens gibt es einen unsterblichen Seelenkern, der jedoch mehr oder weniger wichtige sog. Seelenanteile verlieren kann. So wurden in vielen indigenen Kulturen Krankheiten körperlicher oder geistiger Art als ein Verlust eines Teils der Seele oder der Seele an sich interpretiert. Die Behandlung solcher Krankheiten lag meistens bei einem Spezialisten, der heute verallgemeinernd als Schamane bezeichnet wird.

800px-Hamatsa_shamanBild: Hamatsa shaman. Quelle: Wikimedia Commons

 

 

 

 

 

 

 

Nur der Schamane ist aufgrund seiner Berufung, Ausbildung und oft auch Veränderung dazu in der Lage bewusst seine Seele u.a. an die Orte zu schicken, wo sich auch verlorene Seelenfragmente aufhalten können. Er kann sie lokalisieren und zurückbringen. Logischerweise ist der Aspekt des Schamanen, der das tut, auch seine Seele bzw. ein bestimmter Anteil dieser Seele.

 

Da die Auffassungen im Speziellen aber sehr differieren, möchte ich zu meiner persönlichen Erlebnis- und Wissenswelt gehen. Diese bezieht sich auf erlerntes Wissen (basierend auf verschiedenen „Traditionen“ weltweit, mit dem Schwerpunkt auf eurasisch-sibirischen Schamanismen und kemetischem Gedankengut) und langjährige praktische Schamanenarbeit mit Seelen und Seelenaspekten.

Bei einigen Aspekten benutze ich Begriffe aus der kemetischen Weltanschauung. Mir ist klar dass die Definition mancher Begriffe (z.B. des Ka) nicht ganz der ägyptologischen Anschauung entspricht.

 

Die Seele(n) ist nur ein (wesentlicher) Aspekt der persönlichen Existenzform, des Selbst. Ein anderer Aspekt ist der Körper, der im magischen und spirituellen Sinne eine ebenso große Rolle spielt. Die gar nicht mal so seltene Verleugnung der Wichtigkeit des Körpers entspricht in ihren Auswirkungen nicht meiner Erfahrung. Die auch recht verbreitete Abwertung des persönlichen Körpers als eine verfallende Hülle, die mit dem Tod die Bedeutung verliert ist ein Trugschluss der sich kurz vor, beim und nach dem Tod rächen kann. Die wahrnehmende Existenz eines ganzen Lebens bezieht sich auch immens auf die Körperlichkeit, wie kann man also dessen Bedeutungslosigkeit im magischen Sinne (auch für die Nachexistenz) annehmen?

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Verschiedene Seelenelemente existieren parallel nebeneinander. Wie in einigen animistischen Kulten glaube ich, dass ein Mensch mehrere Seelen hat, die unterschiedliche Funktionen haben.

Der Einfachheit halber beziehe ich mich aber hier auf DIE Seele als ein Konglomerat oder eine Matrix verschiedener Teile, deren Teile ich jetzt hier beschreiben möchte. Für einige der Bestandteile verwende ich Bezeichnungen aus der kemetischen Mythologie, weil diese verschiedenen Elemente durch die Ägyptologie gut beschrieben und belegt sind.

 

Der Kern

Dieser Kern ist für mich nur ein theoretisches Konzept. Bei der schamanischen Arbeit ist mir dieser Kern als solcher nie begegnet, im Gegensatz zu allen anderen Aspekten. Ich möchte aber seine Existenz für mich nicht ablehnen. In meinem Weltbild ist der Kern der Teil der Seelenmatrix, der auch inkarniert bzw. reinkarnieren kann. Der Kern ohne die anderen Elemente ist für mich ohne Bewusstsein. Vielleicht kann man ihn auch als das „Geheimnis“ bezeichnen. Der Kern ist nicht unzerstörbar, er kann auch verloren gehen.

 

Die individuelle Exkursions- oder Freiseele( Ba)

 

Der Teil der Seele, der den meisten von uns sozusagen am geläufigsten ist, weil man die Wahrnehmung und das Bewusstsein damit verbindet, kann man mit den religionswissenschaftlichen Begriffen der Freiseele (Ernst Arbman) oder Exkursionsseele (H.P. Hasenfratz) beschreiben. Im alten Ägypten sah man den Aufbau der Seelenmatrix eh komplexer und benutzt schon sehr früh den Begriff Ba. Hasenfratz‘ Begriff legt schon nahe, dass dieser Teil der Seele auf Reisen gehen kann. Dies geschieht bei allen Menschen beispielsweise im Traum. Es ist aber auch der Teil oder einer der Teile, der beim Seelenflug des Schamanen in die Anderswelten und ins Jenseits fliegt. Wobei mir noch unklar ist bzw. ich es für unwahrscheinlich halte, dass der schamanische Flug „nur“ von dieser Freiseele oder dem Ba durchgeführt wird. Vielmehr gehe ich davon aus, dass je nach „Art“ des Schamanen und seiner Individualität, seiner Berufung und seines Hintergrundes neben dem Ba noch andere Elemente auf Reisen gehen.

Der Ba ist nicht unsterblich, er kann komplett oder teilweise verloren gehen oder gestohlen werden und wie andere Seelenteile auch kann er nach dem Tod im Diesseits hängenbleiben, was zumindest für das Schicksal der gestorbenen Existenzform nicht gut ist, meistens auch nicht für die Hinterbliebenen und das Umfeld. Hängengebliebene Exkursionsseelen zu entfernen ist wesentlich schwieriger als das beispielsweise bei Schatten (siehe unten) der Fall ist.

Im Tod kann der Ba eine wünschenswerte Transformation erleben, in der er „verklärt“ wird. Diese Verklärung kann auch andere Elemente der Seelenmatrix umfassen und macht aus dem Verstorbenen einen Ahnengeist.

 

1280px-Ba_and_mumBild: Kemetische Darstellung des Ba, der Freiseele über dem (mumifizierten) Leib. Quelle: Wikimedia Commons

 

 

 

 

 

Die konnektive Wächterseele (Ka)

 

kaDer Ka ist ein hochinteressanter Teil, der als solcher vor allem im Kemetismus besprochen wird und immer wieder Forschungsgegenstand von Ägyptologen und Religionswissenschaftlern war.

Wie die Exkursionsseele Ba ist auch der Ka nicht unsterblich, vielmehr entwickelt er sich bei und nach der Geburt innerhalb der Existenzform und wird dabei von Geistern (oder je nach Tradition von Göttern) „initiiert“, befruchtet, beeinflusst. Dabei kann der Ka eine Art Eigenidentität entwickeln, er wird zu einer Art Doppelgänger mit Schutzfunktion. Eine Hauptaufgabe des Ka scheint zu sein, die konnektive Struktur der ansonsten fluiden Gesamtseele zusammenzuhalten. Je schwächer der Ka, desto leichter kommt es zu Verlusten einzelner Elemente der Seelenmatrix oder von Teilen der einzelnen Elemente. Überhaupt ist der Ka auch eine Art Akkumulator für die Lebenskraft des Ganzen. Je stärker der Ka, desto stärker die anderen Elemente. Ein starker Ka wirkt sich auch auf den körperlichen Aspekt aus. Er erzeugt Charisma oder die Ausstrahlung von Macht.

Die Stärkung des Ka ist prinzipiell wichtig und auch für den normalen Menschen möglich. Es geht um die Würde, die Integrität, das Ansehen, ja auch die Macht und das praktisch verwendete Charisma im vor allem sozialen Leben des Menschen. Darum war im alten Ägypten und in der dortigen Sozialstruktur vor allem auch der Ka des Königs enorm wichtig, denn ein König mit schwachem Ka ist kein guter König. Üble Nachrede, Beleidigungen, Mobbing, Kränkungen aller Art, alles was die innere und äußere Integrität des Menschen, auch im sozialen Rahmen, stört, können auch den Ka negativ beeinflussen. Dies mag vor allem im „energetischen“ bzw. traditionell-bekannten Schamanismus eher merkwürdig wirken, verleiht jedoch dem eher modernen Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ eine brisante Wichtigkeit!

Manchmal wird der Ka auch mit dem Begriff „Höheres Selbst“ verglichen, der in umstrittenen psychologischen Nebendisziplinen wie der Psychosynthese Verwendung findet. Eine gewisse Affinität zu dieser Begrifflichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, jedoch sicher nicht ganz überzeugend denn im Vergleich zu Konzepten wie diesem Höheren Selbst oder vergleichbarem aus esoterischen Disziplinen (Z.B. dem Heiligen Schutzengel, der Fylgia usw.) ist der Ka sehr viel angreifbarer.

Als wichtiger konnektiver Teil steht die Wächterseele in einem besonderen engen Verhältnis zum sogenannten Ib, der Herz- oder Vitalseele (Siehe unten). Im Kemetismus ist der Ib auch der Platz, an dem sich der Ka befindet.

Die konnektive Wächterseele ist zwar potentiell unsterblich, aber nicht unzerstörbar. Im Gegensatz zu den anderen Seelenelementen darf der Ka den leiblichen Tod überdauern. Ob dies in einem quasi-personifizierten Zustand (selten) oder nicht geschieht, ist unterschiedlich und wesensabhängig. Was bleibt, ist die unantastbare Würde, das Ansehen, das Angedenken, an diese Person. Es ist der Teil der zurückbleibt und gewürdigt wird und oft auch mit der Grabstätte in Verbindung steht.

Beschädigungen des Ka sind sehr häufig, eben, wie oben besprochen durch einen Verlust an Würde, Lebenskraft u.ä. . Bei schamanischen Diagnosen stellt sich oft heraus, dass das Problem eine Beschädigung der Wächterseele ist, was mitunter insofern fatal sein kann, dass die Wächterseele eben für den konnektiven Zusammenhalt auch der anderen Teile verantwortlich ist und die Lebenskraft des Ganzen schützen soll. Seelenrückholungen von Ka-Elementen können mitunter spektakulär im Diesseits wie im Jenseits ablaufen oder entsprechende Folgen haben.

 

 

Die Leibseele (Chet)

 

gspusDie Leibseele steht für das Konglomerat an Anteilen, die den physischen Leib bilden. Das ist angesichts des „Meta-Konglomerates“ an Seelenanteilen etwas verwirrend und macht die Sache noch komplexer, da die Leibseele noch in viele Einzelelemente untergliedert werden kann, die man beispielsweise Organseelen nennen kann. In den prä-medizinischen Zeiten war die schamanische Arbeit oft mit Heilung verbunden, ganz praktisch beispielsweise mit der Behandlung oder Zurückholung von Organseelen oder der Auseinandersetzung mit diesen.

 

 

 

 

 

 

Die Herz –oder Vitalseele (Ib)

 

Die Herzseele steht im engen Zusammenhang zur Wächterseele, dem Ka. Sie gilt als dessen Sitz und ist damit für den Zusammenhalt der ganzen, konnektiven Matrix von großer Wichtigkeit. Eine beschädigte Vitalseele kann sich auf die anderen Teile auswirken sowie auf die Integrität des Ganzen. Im magischen Sinne können Vitalseelen „angezapft“ werden. Stärkere, parasitäre Formen oder gar Wesenheiten kann man manchmal in der Herzgegend finden, wo ihr Vorhandensein fatal sein kann. Die im allgemeinen Sprachgebrauch vorkommende Verbindung des Herzens mit Gefühlen usw. spielt im (scha) magischen Sinne durchaus eine Rolle, da Veränderungen oder Beschädigungen der Herzseele, des Ib, auch starke Auswirkungen auf die Gefühlswelt haben können. Vor allem Schuldgefühle oder eine faktische „Schuldigkeit“ bilden einen engen Zusammenhang damit. So wirkt das Ib wie eine seelische „Blackbox“, die zum Zeitpunkt des Todes und danach von Bedeutung ist. Offenbar können nämlich die unbewusst gespeicherten Schuldgefühle oder die bewusst erkennbare Schuldigkeit an etwas die Weiterexistenz verschiedener Seelenelemente im Jenseits beeinflussen. Im kemetischen Weltbild wurde beispielsweise beim Totengericht das Herz gegen die Feder der Ma’at (Gerechtigkeit, Wahrheit) aufgewogen. Nur der Verstorbene konnte im positiven Sinne drüben „weiter existieren“, der diesen Test bestand. Ein etwas moderneres Konzept wäre dies, dass man beim Tod unbewusst seine eigene Hölle (durch die begangene Schuld) „herbeiwünscht“.

Noch einmal hervorzuheben sei die Verbindung mit der Gefühlswelt sowie die Eigenwahrnehmung der eigenen Existenzform als Ganzes, dies kann bei schamanischen Diagnosen auch von Wichtigkeit sein!

 

Der göttliche Funken (Sia)

 

katzenfunkeAuch der Funken hat seinen Sitz im Gerüst des Ganzen, in der Herzseele, dem Ib. Der göttliche Funken bewirkt die Fähigkeit zum Verstand, zur Einsicht und zur Weisheit. Er ist ein wesentlicher Aspekt auch des Mensch-Seins, denn obwohl auch verschiedene Geister, Tiere, Dinge einen Sia haben können, so ist dies nicht zwingend so, während das im Normalfall beim Menschen der Fall ist. Darum spricht man auch vom „Göttlichen Funken“, als einem Geschenk der Götter.

Im schamanischen Sinne ist der Funken recht robust, ein Verlust als Ganzes oder als Teil ist möglich, aber eher selten. Auch ein Überdauern des Todes ist zwar möglich, aber eher eine interessante Ausnahme.

 

 

 

Die Seele des Namens (Ren)

Namen sind Schall und Rauch? Nein. In einem sozialen oder auch spirituellen System, in dem man schon zwangsläufig irgendwie immer steckt, ist ein Name unerlässlich, sonst ist man ein Niemand. Selbst anonyme oder nicht identifizierbare Personen benötigen einen „Platzhalter“ wie Max Mustermann, Lieschen Müller oder John Doe. In vielen Überlieferungen, dem Aberglauben und magischen Traditionen wird die Wichtigkeit des Namens insofern betont, dass die Kenntnis eines Namens jemandem Macht verleihen kann. Dem ist zuzustimmen, jedoch betrifft dies in der Regel nicht den Rufnamen, wobei in der Magie die Nennung auch dieses Rufnamens eine gewisse Macht beinhalten und erzeugen kann. Aber Namensmagie ist ein Kapitel für sich. Der NAME als Seelenanteil ist ein Identifikator. Es muss nicht einmal ein aussprechbarer Name vorhanden sein, man besitzt trotzdem einen und es ist mitunter auch sehr gut und wichtig, dass dieser nicht bekannt ist (siehe oben). Das Herausfinden ist schwieriger als gedacht, auch für den Betreffenden selbst, und auch das hat große Vorteile, denn wenn du deine eigene Schwachstelle selbst nicht benennen kannst, kannst du sie auch nicht verraten. Andererseits verleiht die Eigenkenntnis jemandem auch mehr Macht, denn der Name kann im magischen Sinne auch zu einer ungeheuer potenten Waffe oder zum Abschreckungsmittel werden. Dies funktioniert interessanterweise auch bei der Nennung besonderer anderer Namen. So ist es recht verbreitet, bestimmte Götternamen bei Bann- oder Heilsprüchen zu nennen, was die Wirkung potenzieren kann. name

Die Namensseele ist interessanterweise erweiterbar. Dies funktioniert über die Nutzung und Initiierung von „magischen Namen“ oder Titeln, allerdings vor allem im sakralen, weniger im profanen Sinne. Die in einigen Kulturen und Traditionen nicht seltene Bezugnahme zu Gottheiten ist z.B. ein interessantes Element um den eigenen „Namen“ zu stärken bzw. neue Machtstrukturen aufzubauen. Ein Beispiel aus dem profaneren Bereich sind Spitznamen, die oft (und manchmal eher unerklärlich) auf die Persönlichkeit Bezug nehmen, als die Rufnamen.

 

manga_20121209151654Der Schatten (Schut)

 

Im passenden Licht wirft der Körper einen Schatten. Die Beseelung des Schattens muss nun in einem etwas übertragenen Sinne gesehen werden. Nicht nur der Körper wirft einen Schatten sondern auch die ganze Existenzform. Dadurch übernimmt dieser Schatten auch Elemente aller anderen Aspekte. Bei lebenden Menschen spielt der Schatten im magischen oder schamanischen Sinne keine sofort erkennbare Bedeutung, es kann aber vorkommen dass beim Ableben eines Menschen und den unterschiedlichen Werdegängen seiner Seelenteile der Schatten im Diesseits verbleibt. Nach meiner Erfahrung mit sogenannten Spukphänomenen sind diese Schatten die häufigsten Formen von „Gespenstern“, die auch Aufmerksamkeit und Energie akkumulieren können und dadurch an Potenz, Macht, ja auch Eigenleben und Gefährlichkeit gewinnen.

Andererseits sind bei Spukphänomenen Schatten am „Einfachsten“ zu beseitigen, sie sind sowohl zerstörbar obwohl man sie idealerweise lieber „weiterschickt“.

Bei der Diagnostik ist es nicht selten, dass sich parasitäre Energien im Schatten sammeln, weil hier die natürliche Abwehrfähigkeit der Existenzform weniger stark greift. Auch eine Manipulation des Ganzen, wie des Körpers, ist über den Schatten möglich.

Der Schatten spielt bei Nicht-Menschen ebenso eine große Rolle. Dinge sind manipulierbar über ihren Schatten und der Schatten, den ein Gott wirkt, kann sich sehr positiv auf seine Anhänger auswirken.

Seelenrückholung? Seelendiebstahl? Hä? – Ein Interview

Hier ein übersetzter Auszug aus einem Interview, das Fritz Walter vor einiger Zeit mit mir geführt hat.

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F: Lass uns doch bitte mal über Seelenrückholung sprechen. Was versteht man darunter überhaupt?

A: Seelenrückholung ist vor allem ein schamanisches Konzept. In der prämedizinischen Zeit wurde in vielen Traditionen eine Krankheit darauf zurückgeführt, dass der Patient seine Seele oder einen Teil davon verloren hatte. Oder dass sie ihm gestohlen wurde.

F: Oha, das wäre dann ja schwarze Magie, oder?

A: Keine Ahnung welche Farbe die hatte, das war im schamanischen Alltag und im Leben der damaligen Leute einfach fester Bestandteil. Im Core-Schamanismus usw. geht man eher von Verlusten durch Traumen und dergleichen aus. Das spielt natürlich auch eine große Rolle. Was aber heute eher verdrängt wird, möglicherweise um die Heile Welt des Eso-Schamanismus nicht zu behelligen, ist eben die häufige Version des bewussten oder unbewussten Seelendiebstahls.

F: Es gibt also Leute, die Seelen stehlen??

A: Logisch. Es gibt ja auch Leute, die Autos oder Butterbrote stehlen, nicht wahr? Wenn du mich jetzt nach dem Sinn dahinter fragst, mei, das ist sehr dehnbar. Die allerwenigsten schamanisch oder magisch Praktizierenden in unserem Kulturkreis sind zu so einem Akt überhaupt bewusst befähigt aber was eben nicht selten ist, ist der unbewusste Diebstahl. Esos sprechen gern vom „Ziehen“ mancher Personen. Das ist nicht mal so unzutreffend. Die Betreffenden sind in der Regel keine schlechten Menschen, oft wollen sie, wollen Elemente „ihrer Seele“ eben einen eigenen Mangel instinktiv beheben. Was freilich auf diese Art und Weise eher selten klappt sondern manchmal nur weitere Probleme, auch für den „Parasiten“ hervorruft.

F: Also ist das alles eher unabsichtlich?

A: Das hab ich nicht gesagt, es ist nur selten dass so etwas absichtlich geschieht. Dann ist es, zumindest potentiell, natürlich übles Zeug.

F: Und wie ist das mit anderen Wesen? Stehlen die auch Seelen? Sind das Dämonen?

A: Hör mir bloß mit Dämonen auf. Naja, das gibt’s auch, ist aber auch nicht häufig. Meistens hat das dann auch eher mit Menschen zu tun. Was mir schon ein paarmal begegnet ist sind beseelte Objekte, also meistens magische Gegenstände aus anderen Kulturkreisen, die eine solche Funktion oder Subfunktion besitzen. Oft wurden diese Gegenstände auch für diesen Zweck hergestellt. Ein paar schlaue Ethnologen ärgern und so.

F: Hm, okay. Zurück zum Seelenverlust. Ich könnte also mit einem erlittenen Seelenverlust zu dir kommen?

A: Nein. Du gehst zu einem Schamanen mit einem konkreten Problem…

F: Aber das hab ich doch mit meinem Seelenverlust.

A: Und woher willst du wissen, dass du einen Seelenverlust erlitten hast? Dafür gibt es eine schamanische Diagnostik, bei der dies festgestellt wird. Du gehst ja auch nicht mit bissel Bauchschmerzen zum Arzt mit der festen Überzeugung, dass du einen Bandwurm hast, oder? Obwohl, dann wärst du sozusagen ein schamanistischer Hypochonder. Wenn Ichs genau überlege sind die nicht mal so selten *hähähä*

F: Haha. Okay, dann gehen wir davon aus, dass du bei mir einen Seelenverlust feststellst. Und dann?

A: Diese Feststellung ist viel komplexer als sie sich anhört. In meiner Tradition gibt es nicht „die“ Seele sondern die Seele als ein konnektives, potentiell fluides Gebilde.

F: Häää?

A: Okay. Vergleich die Seele mit einem Körper. Du kannst den jetzt als DEN KÖRPER sehen. Oder aber du siehst ihn als ein Konglomerat aus Gliedern und sonstigen Körperteilen. Die Teile erfüllen unterschiedliche Funktionen. Das ist beim Konzept der Seele ähnlich. So ka?

F: Und bei einem Seelenverlust verliere ich eines dieser Glieder?

A: Jein. Meistens verliert man *breitgrins* eher Glieder dieser Glieder. Es gibt beispielsweise einen wichtigen Teil der Seele, den man u.a. in der Religionswissenschaft als Exkursionsseele bezeichnet. Das ist eine sogenannte Freiseele, die sich beispielsweise im Traum löst und „umherstreift“. Es ist nicht selten, dass man Elemente dieser sehr wichtigen Exkursionsseele verliert. Im Traum. Bei schamanischen Reisen. Durch Schocks. Und dergleichen.

F: Oder eben durch Seelendiebstahl.

A: Seltener. Da trifft es eher andere „Glieder“ der Seele. Aber das würde jetzt zu weit führen.

F: Aber gerade das wäre sehr interessant!

A: Ich werd mich an anderer Stelle mal über die einzelnen Bestandteile auslassen. Vielleicht nur ein Hinweis auf den Teil deiner Seele, den ich Ka nenne. Das ist sozusagen die Wächterseele, die auch mit Reputation, Würde, Ansehen, Lebenskraft zu tun hat. Hier kommt es oft zu Beeinträchtigungen durch Fremdeinwirkung. Sei es im Diesseits durch Mobbing und dergleichen oder eben durch vergleichbares auf magischer Ebene.

index2F: Und wie geht das?

A: Ich sags mal so: Restricted access.

F: Verstehe. Zurück zu meinem angenommenen Seelenverlust. Wie gehst du vor?

A: Ich versuche herauszufinden, welcher Teil oder Teil eines Teiles verloren gegangen ist. Dies gelingt nicht immer. Wichtiger ist die Reintegration. Ich reise dorthin, wohin es den Seelenteil verschlagen hat und hole ihn zurück. Oder versuche das. Das ist nicht immer einfach, weil er feststeckt, festgehalten wird oder auch einfach nicht will.

F: Das ist dann eine schamanische Reise, oder?

A: In dem Fall ja. Es muss aber auch nicht bei jeder Rückholung eine Reise an andere Orte geben. Manche Elemente lassen sich auch von „hier“ aus zurückholen. Ziehen. Locken. Das ist wie gesagt sehr individuell.

F: Und das geschieht dann mit Hilfe der geistigen Welt.

A: Das ist so eine komische Begrifflichkeit. Ich arbeite mit meinen Verbündeten, also mit ganz spezifischen Geistern, die mit mir zusammenarbeiten. Die nenn ich auch nicht geistige Welt. Wenn ich mit dir einen Kaffee trinken gehe, sag ich ja auch nicht dass ich mit der Bevölkerung des Planeten Kaffee trinken gehe, nicht wahr?

F: Ach so, entschuldige…

A: Null sweat. Jedenfalls arbeite ich dabei natürlich mit meinen Verbündeten zusammen. Manchmal ist das nicht notwendig, das heißt ich meine, dass man das auch alleine können sollte, wenn man eine gewisse Erfahrung hat. Aber die Befähigung und Ausbildung, dies zu tun stammt natürlich von meinen Geistern.

F: Du hast das nicht in einem Seminar gelernt?

A: *anstarr*

F: Ähm. Und wenn du die Seele…entschuldige, den Seelenteil, zurückgeholt hast, ist die Sache erledigt.

A: Jein. Bei einfachen Elementen mag das schon mal zutreffen. Aber in der Regel ist der mindestens genauso schwierige Teil, das Verlorene in die imaginäre oder tatsächliche Lücke, die entstanden ist, zu integrieren. Bei manchen Verlusten – je nachdem welcher Aspekt der Seelenmatrix betroffen ist – entsteht eine Lücke. Stell dir einfach mal ein Loch vor, eine Wunde. Bei manchen Teilen schließt sich diese Wunde, wie wenn eine körperliche Wunde durch Blutgerinnung verschorft. Bei anderen nicht. Diese offenen Wunden sind quasi schreiende Einladung für verschiedene Dinge. Die Häufigsten sind parasitäre Elemente. Das ist meistens nichts Besonderes. Es sind unbewusste Parasiten, die natürlich nicht sonderlich gesund sind. Bewusste Parasiten sind seltener und weitaus gefährlicher.

F: Verstehe. Diese Parasiten müssen dann vorher erst entfernt werden?

A: Yep. Es müssen aber nicht mal immer nur Parasiten sein. Manche Teile des Seelenkörpers laden auch fremde Seelenanteile förmlich ein. Die gehören da nicht hin, aber schnallen das nicht. Sie gliedern sich auf ihrer unbewussten oder bewussten Suche nach „Heimat“ dem falschen Menschen an.

F: Das hört sich jetzt zunehmend kompliziert an…

A: Ist es ja auch. Die Seele…nein, fangen wir so an: Meiner Auffassung nach ist die Seele in einigen ihrer Elemente fluide, wandelbar. Sie verliert öfter mal Teile, das gehört ebenso zum Leben wie der Faktor, dass sich andere, fremde Elemente angliedern. Ich bin kein Mensch der an einen ewigen, festen, unveränderbaren Charakter oder ein Wesen glaubt. Ich kenne zwar eine Art unveränderbaren und theoretisch auch reinkarnierenden „Kern“, aber der ist unpersönlich und hat auch mit dem Charakter nichts zu tun. Fremde Seelenteile, die sich an dich angliedern, müssen auch nicht unbedingt schlecht sein. Also nicht zwingend.

F: Also wenn du recht hast, gibt mir das schon zu denken.

A: Denken ist immer gut.