Wie real ist die Augmented Reality?

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In der Augmented Reality, der Erweiterten Realität, oder der extremeren Ausprägung, der Hyperrealität, werden eigentlich virtuelle, computergenerierte Grafiken und Objekte in die normale Wahrnehmung integriert. Dies geschieht, am häufigsten, über Smartphones. Ein aktuelles, populäres Beispiel ist das AR-Spiel „Pokémon Go“. Hier wird ein Spielsetting in die reale Welt übertragen indem Spielfiguren und Objekte an „realen“ Orten lokalisiert werden.

Nun ist „Pokémon Go“ eine vergleichsweise simple Spielidee, zeigt aber durchaus gut, wie AR aussehen kann, vor allem weil mit den Spielfiguren und Objekten interagiert werden kann und die Interaktionen sich auch auf andere Teilnehmer des Spieles oder auch nur passive Beobachter auswirken.

Zwei Dinge finde ich daran interessant. Zum einen die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten der Augmented Reality. Was wir von verschiedenen Smartphone-Apps und Spielen kennen kann oder wird sich schon bald in durchdachtere und komplexere Versionen weiterentwickeln, vor allem wenn praktischere Sichtgeräte als Smartphones benutzt werden. Wie die schon vor Jahren bekannt gewordene Google Glass. Ein extremes aber vielleicht realistisches Beispiel dafür, wie diese Hyperrealität aussehen kann, hat der Designer und Filmemacher Keiichi Matsuda in einem Video sehr anschaulich dargestellt:

 

http://km.cx/projects/hyper-reality/

 

An Buntheit kaum zu übertreffen bietet das Filmchen doch einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten. Etwas weniger bunt und überfüllt könnte ich mir so etwas sogar als ganz reizvoll vorstellen.

 

Zum anderen reizt mich natürlich die Diskussion über den Begriff der „Echtheit“. Gerade aktuell ist die Diskussion über Spieler von „Pokémon Go“ recht aktiv. Vor allem bei Leuten, die sich als spirituell, alternativ oder sogar der Magieszene angehörend bezeichnen, hört man vor allem Ablehnung und Aussagen wie man denn seine Zeit mit solchen irrealen Dingen vertrödeln könne und dass das alles doch gar nicht in Wirklichkeit existiere.

13652571_10202156216144608_1179075880_nBin ich der Einzige, dem sich da ein fies-herablassendes Grinsen ins Gesicht zaubert?Was ist denn Realität? Und was macht beispielsweise eine Trancereise „echter“ als den Blick in eine von Menschen programmierte Augmented Reality?Wo ist die Interaktion wahrnehmbarer und wo manifestiert sich die Wirkung nachvollziehbarer und für die Umwelt erkenntlicher?

13652842_10202156183463791_375149117_nIm Schamanismus wirke ich über eine andere Realität auf Menschen, Tiere, Dinge ein und kann (!) dort eine positive Wirkung erzeugen. Das ist natürlich durchaus sinnvoll.

Über die Augmented Reality kann ich dies zwar in der Form nicht, aber natürlich kann ich eine sich „manifestierende“ Interaktion mit Wesen oder Objekten führen, unter Umständen sogar eine ganz praktisch Nützliche. In dem Video oben von Keiichi Matsuda geht die Protagonistin z.B. in einem Supermarkt einkaufen. Über die AR erhält sie Informationseinblendungen über Produkte. Denken wir uns einfach den bunten- und den Werbeteil weg, so bliebe (eventuell) eine solide Dateninformation über das Produkt, das man vor sich hat. Davon mag man nun halten was man will und der generische Esoterik-Einkäufer shoppt eh nicht im Supermarkt (Zumindest behauptet er das), aber den theoretischen Nutzen kann man wohl nicht absprechen.

 

Der Vergleich mit zwischen Augmented Reality und verschiedenen Ebenen und Traditionen der Magie ist sicherlich kein perfekter, trotzdem sollte man sich gewisse Ähnlichkeiten vor Augen halten, bevor man allzu herablassend reagiert und sich dadurch zumindest auf den zweiten Blick zum Affen macht.